Ansprache des schleswig-holsteinischen Innenministers Klaus Buß am 12. Juli 2001 in Möltenort

"...Wir können heute einen weiteren bedeutsamen Abschnitt in der langen und wechselvollen Geschichte des U-Boot- Ehrenmals Möltenort feierlich begehen. Nach vielen Überlegungen, Planungen, Verhandlungen und der Beschaffung der erforderlichen Geldmittel erhält das Ehrenmal heute seinen Adler zurück. Gleichzeitig ist heute ein Tag des Dankes und der Anerkennung an alle, die durch ihren Einsatz die Nachbildung und damit die Wiederaufstellung ermöglicht haben....

Nach ersten Überlegungen im Jahre 1919, der Einweihung 1930 und der um- fassenden Neugestaltung und Neueinweihung im Jahre 1938 folgte nach dem Krieg die Beseitigung der Schäden und eine erneute grundlegende Umgestaltung der Ehrenmal-Anlage. Im Jahre 1970 wurden dann weitere Umbauarbeiten durchgeführt, die ihren vorläufigen Abschluss mit der Wiedereinweihung des Ehrenmals im selben Jahr fanden.

Mit der heute abgeschlossenen Erneuerung des Adlers, dem markanten Wahrzeichen des U-Boot-Ehrenmals an der Kieler Förde, hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge einen weiteren Schritt zur langfristigen Erhaltung der Gedenkstätte getan. Wie schon in der Vergangenheit wurde die sehr kosten- intensive Maßnahme erneut aus Spenden und Geldern der beteiligten Organisationen finanziert. Das ist eine ebenso bemerkenswerte wie erfreuliche Tatsache, die wieder einmal beweist, dass es möglich ist, auch größere und finanziell aufwändige Vorhaben ohne Unterstützung mit staatlichen Mitteln durchzuführen. ...

Wir, die wir uns hier versammelt haben, wissen um den Sinn und die Bedeutung des Ehrenmals. Wir wissen aber auch, dass es eine nicht geringe Anzahl von Menschen gibt, die Kriegsdenkmäler mit Gleichgültigkeit bis hin zur strikten Ablehnung betrachten. Vereinzelt wird sogar der Vorwurf der Verherrlichung des Krieges und von Heldengedenkstätten erhoben.

Unbestritten ist, dass jeder das Recht hat, seine eigenen Empfindungen zu haben und sie auch zum Ausdruck zu bringen. Ich habe jedoch Zweifel, ob diejenigen, die solche Vorwürfe in den Raum stellen, jemals vorurteilsfrei mit offenem Herzen und sehendem Auge das Ehrenmal in Möltenort betreten haben. Ich meine nämlich, dass sie sich bei intensiver Betrachtung und Würdigung der Anlage nicht der von der Gedenkstätte ausgehenden tief beeindruckenden Wirkung entziehen könnten. Wir sollten daher jede Gelegenheit nutzen, die Diskussion mit ihnen zu suchen und sie hier her zu führen. ...

Die Toten, derer hier gedacht wird, haben keine Gräber, die wie andere Kriegsgräber unter dauerhaften gesetzlichen Schutz gestellt sind. Um so mehr sind wir es Ihnen, Ihren Angehörigen und ganz besonders auch den kommenden Generationen schuldig, Stätten wie das U-Boot-Ehrenmal zu erhalten. Zur Erinnerung an über 35 000 U-Boot-Fahrer, die – in tiefer Pflichterfüllung oder in tiefer Verzweiflung missbraucht und um jede Hoffnung betrogen – ihr Leben für das Vaterland geopfert haben. Es ist an uns und den folgenden Generationen, aus der Beschäftigung mit der Vergangenheit für die eigene Gegenwart und Zukunft zu lernen. Wer das Vergangene vergisst oder verdrängt, steht in Gefahr, es nochmals zu erleben.

Die heutige Feierstunde macht in besonderer Weise deutlich, dass die für das U-Boot-Ehrenmal verantwortlichen Personen und Organisationen den geschichtlichen und humanitären Auftrag verstanden haben und auch mit Blick auf die Zukunft tatkräftig umsetzen. Zudem präsentiert sich das U-Boot-Ehrenmal Möltenort unter der Obhut der U-Boot-Kameradschaft Kiel den Besucherinnen und Besuchern aus dem In- und Ausland in einer vorbildlich gepflegten und würdevollen Weise. Dafür gilt allen, die dazu ihren Beitrag leisten und geleistet haben, unser Dank."

Quelle: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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Stiftung U-Boot-Ehrenmal
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