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Umbau und Wandlung bis 1938 - Schäden treten auf...

Das 1930 geweihte Ehrenmal, dessen Planung und Errichtung - wie wir gesehen haben - sich über ein Jahrzehnt hingezogen hatte und das von der Öffentlichkeit dankbar angenommen worden war, wurde schon 1938, also nach acht Jahren, an gleicher Stelle durch ein anderes ersetzt.

Was bewirkte diese Wandlung?

Folgt man der aus dem vorliegenden Schriftverkehr erkennbaren Version, so waren schon bald Schäden am Ehrenmal eingetreten. Der Adler, der inzwischen Zustimmung und Kritik gleichermaßen gefunden hatte, wies keine Patina auf, sondern hatte Rost angesetzt. Der Betonpfeiler zeigte Risse. Dieser Zustand wurde von der Gemeinde Heikendorf beanstandet. Sie hatte das Ehrenmal 1930 in ihre Obhut genommen und fühlte sich für seine Pflege verantwortlich.

Über diese Schäden hinaus war man der Meinung, dass der Ehrenmalplatz nicht gerade als Schmuckstück zu bezeichnen war. Der Bürgermeister von Heikendorf, Hermann Riecken, hatte sich daher gleich nach seinem Amtsantritt 1933 für eine Neugestaltung der Grünanlagen des Ehrenmals mit Nachdruck eingesetzt. Er hat später auch verhindert, dass auf den Außenanlagen ein Sportplatz oder ein Geschäfts- und Wohnhaus errichtet wurden. Im Anfang des Jahres 1935 war die Diskussion über die Schäden soweit gediehen, dass sich die Gemeinde entschloss, unverzüglich zu handeln. Zur "Kieler Woche" sollte das Ehrenmal sich wieder in gutem Zustand präsentieren.

Da Mittel aus Spendenaufkommen so gut wie nicht zur Verfügung standen, wandte sich die Gemeinde um Hilfe an den Landrat Werther vom Kreise Plön. Diesem gelang es, über den für Schleswig-Holstein zuständigen Vertreter Marineoberpfarrer a. D. Koene, Flensburg, den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. für die Finanzierung der Reparaturarbeiten zu gewinnen. Koene war im Kriege als Pfarrer im Marinekorps Flandern tätig gewesen und fühlte sich den U-Boot-Fahrern verbunden.

Obwohl Koene sich sogleich um die Finanzierung bemühte, unterblieben 1935 die Reparaturen. Durch Koenes Initiative und die des Kapitäns zur See a. D. Walther, Vorsitzendem der Ubootkameradschaft Kiel, wurde der Volksbund bewogen, sich über das Reparaturprojekt hinaus, stärker für das U-Boot-Ehrenmal zu interessieren, als zu erwarten war.

Der Chefarchitekt des Volksbundes, Robert Tischler - er starb 74jährig 1959 - wurde beauftragt, sich des U-Boot-Ehrenmals anzunehmen. Das war - wie wir heute wissen - eine glückliche Fügung, denn Robert Tischler hat sich in ungewöhnlichem Maße um die Schaffung von Kriegsgräberstätten in Europa verdient gemacht. Zahlreiche Ehrenstätten wie Langemark, Menen, Lommel, Tobruk, EI Alamein und andere mehr sind Zeugen seines Schaffens und seines Könnens. Auch viele Soldatenfriedhöfe in der Bundesrepublik sind von ihm gestaltet worden.

Tischler begab sich im Auftrage des Volksbundes 1935 nach Kiel und nahm das Ehrenmal in Möltenort an Land und von See aus gründlich in Augenschein. Es hat ihn offenbar wenig beeindruckt, denn er fasste sogleich weitreichende Pläne für eine Umgestaltung. Diese weisen die heutige Anlage mit dem landeinwärts gelegenen Halbrund und den beiden Ehrenhallen aus. In der Mitte der Anlage ist aber noch der ursprüngliche Betonpfeiler von 1930, ohne den Adler, erhalten.

Tischler hat also, ausgehend von seinen großen Erfahrungen mit Gedenkstätten, nichts von Verbesserungen am Möltenorter Ehrenmal gehalten, sondern von vornherein eine großzügige Neugestaltung ins Auge gefasst. Er hat seine Gedanken in einem Brief an die Bundesgeschäftsstelle des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge vom 1. Juli 1936 zum Ausdruck gebracht. Wenn man schon diese erheblichen Kosten für ein gutes Mal aufwende, dann müsste man auch den Mut haben, eine neue befriedigende Gesamtschöpfung zu bringen. Das war ein wegweisender Vorschlag, der die Verantwortlichen des Volksbundes überzeugte.

Wie immer man die damalige Lage betrachtet, es ist sicher, dass Schäden am Ehrenmal - waren sie nun ernster oder weniger ernster Natur - den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ins Spiel gebracht haben. Ihm verdanken die Ubootfahrer ein in seiner Größe und Formgebung einmaliges Ehrenmal.


Der Volksbund hat Mittel und Wege...

Etwa gleichzeitig mit der Koeneschen Initiative kam es auch zu einer ersten Fühlungnahme zwischen dem Volksbund und den U-Boot-Kameradschaften. Diese Entwicklung konnte den U-Boot-Kameradschaften und der Reichsmarine, die sich in der Ehrenmalfrage auch immer angesprochen fühlte, nur recht sein, denn der Volksbund verfügte nicht nur über finanzielle Mittel, sondern auch über Fachleute.

In den U-Boot-Kameradschaften sind daher die Umbaupläne nahezu kommentarlos akzeptiert worden. Die Erinnerung an immer wiederholte Spendenaufrufe in den zwanziger Jahren mag dazu beigetragen haben. Das Motiv des alten Ehrenmals sollte aber auf Wunsch der U-Boot-Kameradschaft erhalten, jedoch in wuchtigere Formen umgesetzt werden.

Am 29. September 1936 teilten die "Kieler Neuesten Nachrichten" der Öffentlichkeit mit, daß der Volksbund es übernommen habe, "das U-Boot-Ehrenmal zu einer würdigen Weihe- und Gedenkstätte für die U-Boot-Waffe auszubauen".

Zu dieser Zeit war der Umbau bereits eingeleitet worden.

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