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Der Neuguss des Seeadlers - Guss und Montage des neuen Seeadlers...

Anfang Mai 2000 wurde anlässlich von Instandsetzungsarbeiten am Mauerwerk des Turmes festgestellt, dass der bereits 1984 reparierte Adler in seiner Struktur so stark geschädigt war, dass die Reparatur nicht mehr möglich war und ein neuer Adler angefertigt werden sollte. Im Juni musste die Freifläche vor dem Turm wegen Gefährdung der Besucher gesperrt werden.

Am 27.11. wurde der Adler mit einem Teleskopkran vom Turmkopf gehoben. Acht massive Eisenstäbe von ca. 70 mm Durchmesser, mit denen der Adler verankert war, mussten durchgeschnitten werden. Zur Untersuchung des 1938 gegossenen Fundamentbetons wurden 3 Kernbohrungen im Turmkopf 1,45 m tief ausgeführt. Die Bohrkerne wurden in der Fachhochschule Hildesheim geprüft. Die Betongüte lag zwischen B 10 und B 15, das entspricht etwa einem heute gebräuchlichen Fundamentbeton. Alle Beteiligten konnten aufatmen. Der große Fundamentkern im Turmkopf musste nicht, wie befürchtet wurde, mit hohem Aufwand ausgestemmt und erneuert werden, sondern konnte für die Befestigung des neuen Adlers genutzt werden.

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Bronzegießer H. Noack bei Restarbeiten im Marinearsenal Kiel

Zur Anfertigung der rund 280.000 Euro teuren Bronze-Kopie durch die Berliner Bildgießerei Noack wurde nachdem der der Original-Adler  vom Pfeiler des Möltenorter Ehrenmals gehoben worden war, die Flügel vom Adlerrumpf getrennt und per LKW nach Berlin transportiert, wo man einen vielteiligen Gipsabguss erstellte, ehe der Adler zur Restaurierung und endgültigen Aufstellung nach Dresden gebracht werden konnte.

In Berlin waren von dem in insgesamt 115 Teilstücken abgenommenen Negativmodell Silikon- und Gips-Formkästen für den Bronzeguss herzustellen; nach erfolgtem Guss mussten ebenso viele Bronzeteile (6 bis 8 mm stark) wieder miteinander verschweißt werden. Dauerhaft zusammengehalten wird der insgesamt 5,6 Tonnen schwere Adler durch eine unter seiner "Bronzehaut" verborgene Edelstahlkonstruktion, die bei der Installierung der Figur auf dem Pfeiler des Möltenorter Ehrenmals mit einer fixierenden Stahlplatte verbunden wurde.

Auf lange Sicht konnte durch den 2000/2001 erfolgten Austausch von Original und Kopie der 1936 für das Möltenorter Ehrenmal entworfene Adler als Wahrzeichen der Anlage an seinem angestammten Platz erhalten bleiben. Zugleich fand damit nach 65 Jahren auch noch der ursprüngliche Wunsch des entwerfenden Bildhauers Fritz Schmoll gen. Eisenwerth Berücksichtigung, der sich vom künstlerischen Standpunkt aus schon zur Entstehungszeit seines Tonmodells für einen Bronzeguss ausgesprochen hatte.

Der neue Adler ist von der Bildgießerei Hermann Noack insgesamt in 46 Wachsguss- und 69 Sandgussteilen gegossen worden, so dass die Skulptur aus 115 Einzelteilen hergestellt wurde.

Anschließend überarbeiteten Ziseleure die einzelnen Bronzegussteile, setzten sie zusammen und verschweißten sie. Die Schweißnähte wurde dann sauber verarbeitet und die Oberfläche künstlich patiniert, um der Skulptur den gewünschten Farbton zu geben. Das reine Bronzegewicht beträgt 4.800 kg.

Zur Befestigung und Stabilisierung bauten wir eine Edelstahlkonstruktion ein. Der Adler selbst steht auf einer 35 mm starken und 1,60 x 1,60 m großen Edelstahlplatte, die allein schon ca. 800 kg wiegt.

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12. Juli 2001: Der Vorsitzende der Stiftung U-Boot-Ehrenmal Möltenort vor dem Neuguss des Seeadlers

Die Transportvorbereitungen erwiesen sich als äußerst schwierig, da die Ausmaße des Adlers zu groß waren, um ihn in einem Stück zu transportieren. So wurde er wieder in drei Teile zerlegt, 1. Kopf, Brust und Flügel 2. Sockel mit Füße und 3. Schwanz und konnte mit Hilfe eines Kranwagens auf einen Tieflader gesetzt werden. Der Transport ging dann etwa um 22.00 Uhr mit Polizeibegleitung von unserer Werkstatt los. Wegen der Überbreite von 4,85 m durfte die Fahrt nur nachts erfolgen. Unsere Ziseleure und ich fuhren dem Transport voraus, so dass wir am nächsten Morgen schon vor Ort waren.

Der Adler war inzwischen gut in Kiel angekommen und die Bildgießerei Noack konnte, mit Hilfe der Bundesmarine in einer perfekten Halle des Marinearsenals, den Seeadler innerhalb von 2 Tagen zusammensetzen. Den weiteren Transport zum Aufstellungsort übernahm die Bundesmarine, die dafür einen großen Schwimmkran "HIEV". zur Verfügung stellte. Der Adler wurde mit Hilfe dieses Kranes an Land gesetzt und dort vom Baudienst Kiel übernommen. Nach der Feierstunde, leider begleitet von Sturm und heftigem Regen, setzte ein Kran die Skulptur dann auf das Turmbauwerk. Wir verschraubten den Adler dort mit 16 Stehbolzen, die 1,50 m tief im Beton verankert sind.

Nach dem der Seeadler - das Wahrzeichen des U-Boot-Ehrenmales in Möltenort und des Ostseebades Heikendorf - Möltenort- am 12. Juli 2001 seinen vertrauten Platz auf der 15,30 m hohen Wesersandsteinsäule so problemlos wieder eingenommen hat und der Vorsitzende des Stiftungsrates, Heinz Thois, eindrucksvoll über die sehr gelungene Feierstunde berichtet hat, ist es uns auch ein ganz besonderes Anliegen, allen beteiligten Firmen für die gute Zusammenarbeit und die hervorragenden handwerklichen, technischen und künstlerischen Arbeiten zu danken.

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Der Seeadler am Haken des Schwimmkranes "HIEV"

Der Baudienst Kiel war für den sicheren Transport des Adlers von Berlin bis zum Marinearsenal Kiel und für die Übernahme des Adlers vom Schwimmkran "Hiev" der Marine und das Verbringen des ca. 5,6 Tonnen schweren Bronzeadlers (Gesamthöhe mit Sockel 4,50 m, Spannweite 4,80 m, bronzene "Haut" 6-8 mm stark) auf das Turmfundament verantwortlich.

Trotz der widrigen Wetterverhältnisse mit stürmischen Winden haben die Männer eine Punktlandung hingelegt! Diese konnte nur gelingen, wenn die zuvor in das Turmfundament von der Firma Bode Bau präzise eingearbeiteten 16 Stehbolzen (Anker) in die Bohrungen der am Adler angeschweißten Fundamentplatte problemlos eingeführt werden konnten.

Es musste also millimetergenau nach Schablone gearbeitet werden. Alles passte! Der von der Bildgießerei Noack in nur 7 Monaten aufwendig hergestellte Bronzenachguss des Seeadlers - in Größe und Detail ein Ebenbild des Adlers aus dem Jahre 1938 - blickt nun wieder eindrucksvoll hinaus auf die Kieler Förde. In ca. 5 bis 10 Jahren wird auch sein Gefieder wieder etwas grünlich schimmern. Dann wird sich durch Witterungseinflüsse eine natürliche Schutzschicht (Patina) auf der Oberfläche bilden. Sie wird nicht so intensiv wie bei seinem Vorgänger ausfallen, bestand die Oberfläche des Adlers aus dem Jahre 1938 doch aus reinern Kupfer und war 62 Jahre Wind und Wetter ausgesetzt.

Ein ganz besonderer Dank geht auch an das Marinearsenal Kiel für die großartige Hilfsbereitschaft, sei es bei der vorübergehenden "Beherbergung" des Seeadlers bis zu seiner abschließenden Fertigstellung oder für den perfekten Seetransport mit anschließender Übergabe an den Autokran des Baudienstes Kiel vor dem U-Boot-Ehrenmal Möltenort. Eine wirklich nicht leichte Aufgabe bei den geringen Wassertiefen vor dem U-Boot-Ehrenmal und Stürmischen Böen! Herzlichen Dank auch an Kapitän und Mannschaft!

Ein Dankeschön auch an alle nicht genannten Beteiligten, die durch ihre Unterstützung und ihre Hilfsbereitschaft zum Gelingen des Gesamtvorhabens beigetragen haben.

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Die Bronzetafel an der Außenwand der nördlichen Ehrenhalle soll dauerhaft an die spontane und einzigartige Hilfsbereitschaft erinnern.

Das bereits nach so kurzer Zeit ein neuer Bronzeadler die vorbeiziehenden Schiffe und vielen Besucher in Möltenort wieder grüßt, verdanken wir aber im besonderem Maße der großherzigen Schenkung von Frau Martha Begemann an die Stiftung U-Boot-Ehrenmal. Die Bronzetafel an der Außenwand der nördlichen Ehrenhalle soll dauerhaft an ihre spontane und einzigartige Hilfsbereitschaft erinnern. In seinem Grußwort am 12.07.2001 führt der Vorsitzende des Stiftungsrates, Heinz Thois, u.a. aus: "Ohne diese Spende hätte sich die Vollendung dieses Projektes weit schwieriger gestaltet und mit Sicherheit weiter verzögert. Sie, sehr geehrte Frau Begemann, haben es durch diese Spende ermöglicht und Ihnen ist es letztlich zu verdanken, dass wir schon heute, nur 7 Monate nach dem Abbau des alten Adlers, hier sind, um den neuen zu begrüßen und seine Montage mitzuerleben. Dafür gebührt Ihnen, geehrte Frau Begemann, unser ganz besonderer Dank." Wir danken auch dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., dass er trotz schwieriger finanzieller Verhältnisse seinen Anteil für die nicht unerheblichen Nebenkosten (u.a. Baustraße, Gerüst, Turmkopffundament, Ab- und Antransport) übernommen hat.

Ein herzliches Dankeschön auch all denjenigen, die durch weitere Spenden zum Gelingen des Vorhabens beigetragen haben.

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