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Der Neuguss des Seeadlers - Demontage des Seeadlers aus dem Jahre 1938...

Im Mai 2000 wurde der Turm eingerüstet, um die von der Stiftung in Abstimmung mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräber Fürsorge in Auftrag gegebenen Instandsetzungsarbeiten an den Mauerwerksfugen durchzuführen. Eine gute Gelegenheit, auch dem auf der 15,30 m hohen Wesersandsteinsäule thronenden Adler einen Besuch abzustatten. Nach ersten flüchtigen Blicken sah es so aus, dass Sonne, Sturm, Regen, Eis, Schnee und die Umwelteinflüsse seinem Gefieder keine größeren Schäden zugefügt hatten. Bei näherer Betrachtung wurden dann aber unzählige, durchgängige, größere und kleinere Risse in der nichttragenden Außenhaut des Adlers - sie besteht aus galvanisch aufgebrachten Kupfer (99,9 % reinem Cu) - und im Bereich der Halbkugel deutlich sichtbar! Ein Alarmzeichen. Der erste Ortstermin am 11.05.00 mit einem Statiker für Stahlbau bestätigte den äußerst bedenklichen Gesamtzustand des Adlers. Nach dem Öffnen der Halbkugel wurden auch die Durchrostungsschäden an der inneren Tragekonstruktion - soweit diese sichtbar war - und die durchgängigen Risse in der Halbkugel deutlich. Da nicht auszuschließen war, dass die Standsicherheit des Adlers gefährdet ist, wurde vorsorglich der Vorplatz weiträumig abgesperrt. In einem weiteren Ortstermin am 24.05.00 mit verschiedenen Fachleuten bestätigte sich dann der fortgeschrittene und gravierende Rostfraß an der Innenkonstruktion und die Erkenntnis, dass ein Schweißen der Außenhaut des Adlers - wie bereits 1984 vom VDK veranlasst und teilweise von der Stiftung finanziell unterstützt - keinen dauerhaften Erfolg bringen kann.

Alle Schweißnähte waren wieder aufgerissen und viele neue Risse waren dazugekommen. Alle Teilnehmer waren sich einig, der Adler muss vom Turm. Die baufachliche Stellungnahme vom 29.05.00 bestätigte eindrucksvoll die gewonnenen Erkenntnisse. Es musste also so schnell wie möglich gehandelt werden, um einen nicht auszuschließenden Absturz des Adlers zu verhindern. Das Für und Wider für den Neuguss des Adlers wurde dann in einem weiteren Gespräch in Möltenort, auch unter Beteiligung des Generalsekretärs des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Und Vertretern des Landesamtes für Denkmalpflege, sehr eingehend erörtert. Während von Seiten der Stiftung aufgrund der Aussagen in der baufachlichen Stellungnahme der Neuguss des Adlers als die wirtschaftlichste Lösung angesehen wurde, wollte das Landesamt für Denkmalpflege den Seeadler als ein "interessantes Dokument der Arbeitsweise dieser Zeit" erhalten. Eine Fachfirma für Metallsanierung sollte mit der Erstellung eines Renovierungsgutachtens beauftragt werden. Der Nachwelt könnte so diese handwerklich historische Leistung möglicherweise erhalten bleiben.

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Der Seeadler aus dem Jahre 1938

Während die Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege und des VDK ein Gutachten für die Renovierung befürworten (Kosten des Gutachtens über 40.000,00 DM), werden von der Stiftung erneut erhebliche Bedenken hinsichtlich des dauerhaften Erfolges einer Restaurierung geltend gemacht. Durch die Sprödigkeit des galvanisch aufgebrachten Kupfers wird sich die Außenhaut (im Mittel 3 mm) durch Eigen- und Windlasten an bestimmten Stellen wieder verformen (so die Gutachter). Folge: erneute Bildung von Rissen in der Außenhaut. Damit ein nicht abzuschätzender laufender Unterhaltungs- und Instandsetzungsaufwand! In diesem Gespräch schlägt die Stiftung vor, den demontierten Adler später in einem Museum der Nachwelt zu erhalten.

Bei allen Überlegungen steht natürlich auch die Finanzierbarkeit im Mittelpunkt. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist nicht in der Lage, die geschätzten Kosten für den Neuguss einschl. aller Nebenkosten in Höhe von voraussichtlich 800.000,00 DM aufzubringen. Auch bei einer vorerst angenommenen kostengünstigeren Restaurierung ist vollkommen offen, wie diese finanziert werden kann. Auch die Stiftung kann aufgrund der von ihr eingegangenen Verpflichtungen für die Pflege- und Erhaltungsarbeiten am U-Boot-Ehrenmal nur jährlich begrenzte Mittel zur Rückzahlung für die vom VDK möglicherweise vorfinanzierten Baukosten bereitstellen. Es sieht also zunächst danach aus, dass eine kurzfristige Lösung daran scheitern wird, dass der VDK durch seine großen Aufgaben im Osten und den von Jahr zu Jahr zu verzeichnenden geringeren Einnahmen nicht in Vorleistung treten kann und der Adler aus Sicherheitsgründen auf unbestimmte Zeit abgebaut werden muss!

Am 2. August 2000 findet dann der Ortstermin mit der Fachfirma für Restaurierungen und dem Landesamt für Denkmalpflege in Möltenort statt. Über die vermeintlich geringeren Kosten einer Restaurierung kann die Fachfirma erst dann konkrete Aussagen machen, wenn sie das schriftliche Gutachten erstellt hat. Auch die ersten Ausführungen der Firmenvertreter vor Ort sind nicht eindeutig und lassen weiterhin vermuten, dass mit einer Restaurierung keine dauerhafte Lösung des Problems herbeigeführt werden kann. Auf jeden Fall stellt die Firma fest, dass der Adler demontiert werden muss und mit großer Sicherheit auch die gesamte tragende Innenkonstruktion erneuert werden muss. Dieses würde bedeuten, dass der Adler voll ständig zu zerlegen ist. Für die Restaurierung wird ein Zeitraum von einem 1/2 bis zu einem 3/4 Jahr angenommen.

Zwischenzeitlich bemüht sich die Stiftung sehr intensiv, den finanziellen "Grundstock" für den Neuguss des Adlers sicherzustellen. Durch einen sehr glücklichen Umstand kommt der Kontakt zu der Ehefrau eines ehemaligen U-Bootkommandanten des 1 . Weltkrieges zustande und wir informieren sie sehr ausführlich über die Schäden am Adler und von unserer Absicht, den Adler durch einen originalgetreuen Bronzeneuguss zu retten. Sie entschließt sich sehr schnell, unser Anliegen zu unterstützen und bereits am 14. August 2000 stellt sie in einem notariellen Schenkungsversprechen der Stiftung für den Neuguss des Adlers aus Bronze einen Betrag von 500.000,00 DM zur Verfügung. Wir waren außerordentlich dankbar und glücklich, dass durch eine so einmalige und großherzige Spende nun doch noch der Neuguss in greifbare Nähe gerückt war, da mit dieser Spende zunächst ein Großteil der Kosten gedeckt werden konnten! Ohne diese Spende hätte der Neuguss des Adlers nicht realisiert werden können, da allein die Kosten für den Bronzeneuguss rd. 511.000,00 DM betrugen. Noch nicht vollständig und abschließend finanziert waren zu diesem Zeitpunkt die weiteren Kosten für die Errichtung der Baustraße, das Gerüst, die Demontage/Montage, Transport und mögliche Betonarbeiten im Turmkopffundament in der Größenordnung von Schätzungsweise 250.000,00 DM und 300.000,00 DM. Das Landesamt für Denkmalpflege hielt, nachdem die bisherigen Aussagen der Restauratoren nicht eindeutig waren und erst nach einem aufwendigen Gutachten in konkreter Weise abgegeben werden konnten, nicht mehr an der Erhaltung des Adlers an der originalen Stelle fest und stimmte am 15.11. dann dem Neuguss des Adlers aus Bronze zu. Der Volksbund erhielt die Auflage, den demontierten Adler an einem geeigneten Ort zu präsentieren. So ist die originale Möltenorter Denkmalfigur heute im Militärhistorischen Museum in Dresden zu finden, wo neben der fachgerechten Unterbringung einschließlich restauratorischer Betreuung eine attraktive Präsentation im Rahmen der ständigen Ausstellung der Uboot-Abteilung gewährleistet ist.

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Der Seeadler wird am 27.11.2000 wegen großer Schäden demontiert

In den frühen Morgenstunden des 27. November 2000 wurde mit den vorbereitenden Arbeiten zur Demontage des Adlers begonnen. Eine Woche zuvor war die Baustraße aus schweren Panzerplatten über den nördlichen Uferweg, die Rasenfläche und durch einen Teilbereich der Wildrosen bis zum Vorplatz der Ehrenmalanlage verlegt worden. Zunächst musste die Halbkugel in entsprechender Breite vollständig aufgetrennt werden, um die inneren Tragekonstruktionen des Adlers im Bereich des Turmkopffundamentes trennen zu können. Eine nicht ganz ungefährliche Arbeit beginnt mit dem Abtrennen der acht säulenartig gebogenen Rundstäbe aus Vollmaterial für die Mitarbeiter der Bronzegießerei Noack aus Berlin! Dieses Stabwerk ist auf Höhe der Krallen des Adlers untereinander verschweißt. Die Arbeiten mussten sehr behutsam unter Berücksichtigung der sich aus der Konstruktion des Adlers ergebenden Krafteinwirkungen ausgeführt werden. Die Monteure auf dem Turm stehen im ständigen Sprechkontakt mit dem Mann im Baukran, damit auftretende mögliche Gewichtsverlagerungen sofort durch den Baukran aufgefangen werden können. Es ist etwa 14:30 Uhr, eine kritische Situation!

Der letzte Rundstab wird abgetrennt. Bleibt der Adler in seinen Gurten ruhig hängen oder fängt er an zu pendeln? Dann nur eine kaum wahrnehmbare kleine Bewegung und der Adler hängt frei in seinen Gurten, Eine ausgezeichnete Leistung der Männer vom Baudienst Kiel! Sie haben den Adler hervorragend in den Gurten angeschlagen, Langsam erhebt sich der Adler von seinem "Hort", schaut noch einmal auf die Kieler Förde hinaus und gleitet langsam auf die im Vorplatzbereich von der Firma Bode-Bau aus Hohenhameln angefertigte Holzplattform. Er wird zu einer Bauchlandung gezwungen und mit starken Holzverstrebungen am Boden gesichert. In kurzer Zeit ist er in stabiler Lage und schon wird ebenso schnell die Arbeitsbühne zur Demontage der Flügel von den Leuten der Firma Bode-Bau gezimmert. Es wird an diesem trüben Tag sehr schnell dunkel. Das "kostbare Objekt" wird nun bis zum nächsten Morgen in die Obhut eines Wachmannes übergeben. Den ganzen nächsten Tag sind die Mitarbeiter der Firma Noack damit beschäftigt, die Flügel vom Rumpf des Adlers zu trennen. Nur noch kleine Flügelstümpfe zieren den Adler, als dieser auf einem Tieflader gut gesichert gegen 22.30 Uhr Möltenort für immer verlässt! Nun steht er auf dem Hof der Bronzegießerei Noack in Berlin. Die Werkhalle war zu klein, um den mächtigen Vogel aufzunehmen. Stück für Stück werden die vielen Gipsmodellteile vom Adler abgenommen, damit im Sandgussverfahren in all seinen Teilen ein Abbild des Originals entsteht.

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