Panorama 1

Eine Gedenkstätte für alle auf See gebliebenen deutschen Ubootfahrer

emal7Schon seit vielen Jahren war es der Wunsch der Ubootflottille, dass im Ehrenmal eine Tafel für die in Ausübung ihres Dienstes ums Leben gekommen Ubootfahrer der Deutschen Marine angebracht wird. Nach vielen Gesprächen und ausführlichem Schriftwechsel mit den verschiedenen Entscheidungsträgern, hat die Stiftung sich 1999 erneut dem Anliegen, einen Gedenkstein für die Toten von "U-Hai" am U-Boot-Ehrenmal aufzustellen, angenommen und die Aufstellung einstimmig beschlossen. Der Inspekteur der Marine hat diese Entscheidung mit Schreiben vorn 22. April 1999 sehr begrüßt, da sie auch dem Wunsch der Ubootfahrer in der Marine entgegenkommt, aller Angehöriger der Ubootwaffe, die ihr Leben auf See ließen, am Ehrenmal zu gedenken. Gleichzeitig hat der Inspekteur der Marine die Stiftung gebeten, mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) zu prüfen, ob das Ehrenmal mit einer Widmung versehen werden kann, die alle Ubootfahrer Deutscher Marinen einschließt. Im Februar 2000 haben die Stiftungsgremien diesen Vorschlag einstimmig befürwortet und dem VDK Vorschläge für die Umwidmung unterbreitet. Bereits am 23. März 2000 wurden mit den Vertretern des VDK in Möltenort Einvernehmen über die von der Stiftung vorgeschlagene Umwidmung - Einbeziehung der Deutschen Marine - erzielt. Im September 2000 wurde die vorhandene Bronzetafel im Rundgang mit der Widmung:

"Zum Gedenken aller Toten der U-Bootwaffe beider Weltkriege 1914 - 1918 und 1939 - 1945"

durch eine neue Bronzetafel mit folgender Inschrift ersetzt:

"In ehrendem Gedenken für die auf See gebliebenen deutschen U-Boot-Fahrer"

tafel friedenIn der nördlichen Ehrenhalle wurde eine Bronzetafel zum Gedenken an die Toten der drei in Friedenszeiten gesunkenen Uboote U3 (17.1.1911), U8 (20.11.1936) und U-Hai (14.9.1966) und aller in Ausübung ihres Dienstes ums Leben gekommenen Ubootfahrer angebracht. Die drei Boote auf dieser Tafel sind im Halbrelief abgebildet.

Am Tag vor dem Volkstrauertag, am 18. November 2000, wurden die Tafeln unter großer Beteiligung der Ubootflottille aus Eckernförde eingeweiht. Somit ist das U-Boot-Ehrenmal nun auch zur Gedenkstätte für die heutigen Ubootfahrer geworden, so dass auch damit die innere Verbundenheit der Deutschen Marine zum Ehrenmal hergestellt wird. In den Stiftungsgremien und am U-Boot-Ehrenmal sind die heutigen Ubootfahrer schon seit einigen Jahren tätig, so dass es endlich an der Zeit war, auch diesen letzten Schritt gemeinsam mit allen Beteiligten zu vollziehen.

Der Kommandeur der Ubootflottille, Kapitän zur See Fritz Rudolf Weber, hat in seiner Ansprache am U-Boot-Ehrenmal in Möltenort anlässlich des Volkstrauertages am 17. November 2001 auf die Umwidmung Bezug genommen. Zitat: "...Doch die Zeit ist nicht stehen geblieben und inzwischen, mit der Umwidmung des Ubootehrenmals, hat sich die Bedeutung dieser Stätte gewandelt. Wir bezeugen nicht nur mehr unseren Respekt vor den für Deutschland bis 1945 gefallenen Ubootfahrern. Wir haben endlich die Brücke zur Deutschen Marine und deren Ubootflottille geschlagen und beziehen in unser Gedenken nunmehr alle nicht aus dem Einsatz zurückgekehrten deutschen Ubootfahrer ein..."

Ansprache des Kommandeurs der Ubootflottille am U-Boot-Ehrenmal in Möltenort anlässlich der Gedenkstunde zum Volkstrauertages am 17. November 2001

Verehrte Gäste, sehr geehrter Herr Admiral, liebe Kameraden!

Als Kommandeur der Ubootflottille der Deutschen Marine bin ich selbstverständlich der Einladung nach Möltenort gefolgt. Ich bin dankbar für die Gelegenheit anlässlich des Volkstrauertages hier zu sprechen. Dieser Tag war seit jeher für uns Anlass, der in den Weltkriegen gefallenen Ubootfahrer zu gedenken.

Doch die Zeit ist nicht stehen geblieben und inzwischen, mit der Umwidmung des Ubootehrenmals, hat sich die Bedeutung dieser Stätte gewandelt. Wir bezeugen nicht nur mehr unseren Respekt vor den für Deutschland bis 1945 gefallenen Ubootfahrern. Wir haben endlich die Brücke zur Deutschen Marine und deren Ubootflottille geschlagen und beziehen in unser Gedenken nunmehr alle nicht aus dem Einsatz zurückgekehrten deutschen Ubootfahrer ein.

Für uns Ubootfahrer der Deutschen Marine war das Ubootehrenmal Möltenort immer schon ein Mahnmal mit besonderer Bedeutung. Wir, und damit meine ich insbesondere unsere jungen Ubootfahrer, sehen und passieren es zumeist von See aus, auf dem Ubootsturm oder am Sehrohr stehend.

Wir führen bei jeder Vorbeifahrt einen Flaggengruß und eine militärische Ehrenbezeugung durch. Das Gedenken- an die Soldaten, deren Namen auf den Bronzetafeln festgehalten sind, ist uns selbstverständliche Pflicht aber auch inneres Anliegen. Unsere jungen Ubootfahrer lernen dies während ihrer Ausbildung und übernehmen es somit von den Älteren unter uns.

Dieses ist selbstverständlich praktizierte Tradierung im positiven Sinn. Ubootfahrer aller Generationen verbindet das Ubootspezifische, das zusammenschweißt; die Enge, das Auf-Sich-Allein-Gestellt-Sein, Selbständigkeit, Mut, Kameradschaft und manchmal eine gewisse Portion Leidensfähigkeit. Damit ist es immer noch etwas Besonderes, Ubootfahrer zu sein, wenngleich dies heute kein Elitebewusstsein mehr einschließt. Ubootfahrer aller Länder empfinden solche Gemeinsamkeiten, aber ganz sicher sind diese in Deutschland über die Generationen weitergegeben worden und prägen auch heute das Bewusstsein deutscher Ubootfahrer. Diese Identität und natürliche Nähe ist ein Stück gelebte Tradition. Wie Sie wissen, hat sich die Bundeswehr und in Teilen auch die Teilstreitkraft Marine mit dem Gesamtkomplex Tradition intensiv auseinandergesetzt und nicht immer leicht getan. Dafür gab es Gründe. Der Umgang mit der Geschichte und das Ableiten von Tradition aus der Historie erfordern Sensibilität und werden an den Prinzipien und Ansprüchen eines freiheitlichen und demokratischen Wertesystems vorgenommen. Dennoch und gerade deswegen hat heute das Ubootehrenmal eine Brückenfunktion zwischen den Generationen. Mit der Einbeziehung der deutschen Marine seit 1956 und deren Ubootflottille ist der Anschluss an die Gegenwart gelungen. Diese Gedenkstätte steht heute für die nicht zurückgekehrten deutschen Ubootfahrer aus nahezu hundert Jahren. Damit ist sie endlich auch Sinnbild des Gedenkens der gerade noch im Krieg oder danach geborenen Ubootfahrer.

Das Ehrenmal wurde von ehemaligen Ubootfahrern des Ersten Weltkrieges zum Andenken an ihre gefallenen Kameraden geschaffen. Die damalige Inschrift von 1938: „Es kommt ein Tag" wies bereits auf den Wunsch nach militärischem Wiedererstarken Deutschlands hin und war Ausdruck des damals herrschenden Zeitgeistes. Der Wunsch nach Revanche führte zum Weg der nationalen Selbstüberschätzung und bereits ein Jahr später in die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges, der unter den Ubootfahrern eine unvorstellbare Zahl an Opfern forderte.

Am 17. November 2000 wurde das Ubootehrenmal Möltenort umgewidmet. Die vorhandene Bronzetafel mit der Inschrift: „Zum Gedenken aller Toten der Ubootwaffe beider Weltkriege 1914-1918 und 19391945" wurde durch eine neue Bronzetafel ersetzt. Auf ihr steht geschrieben: „Im ehrenden Gedenken für die auf See gebliebenen deutschen Ubootfahrer".

Diese Umbenennung war für uns wichtig. Es gab die Befürchtung, dass der Flaggengruß und die Front zwar als Befolgen eines Befehls durchgeführt werden, jedoch aufgrund des zeitlichen Abstandes und der Festlegung auf die Ubootfahrer der Weltkriege nicht mehr als persönliches Anliegen. Das Ubootehrenmal war damals nicht der Ort, an dem der Toten von U-Hai gedacht wurde. U-Hai war ein Uboot der Deutschen Marine, unserer Ubootflottille, das 1966 in der Nordsee sank. Die Umwidmung des Ehrenmals und Einbeziehung aller auch im Frieden auf See gebliebenen deutschen Ubootfahrer vor genau einem Jahr machte aber Möltenort endlich auch zur Gedenkstätte der heutigen Ubootfahrer.

Nun ist das Ubootehrenmal Möltenort allen Ubootfahrern gewidmet, die in Krieg und Frieden ihr Leben auf Ubooten gelassen haben, also sowohl der Gefallenen der Weltkriege als auch der Toten von U 3 (1911), U 18 (1936) sowie U-Hai (1966). Unsere heutigen Ubootfahrer haben somit nicht nur das Gefühl der Pflicht, sondern das innere Bedürfnis, Ehre zu erweisen.

Welche Bedeutung hat das Ehrenmal für die Angehörigen der auf See gebliebenen Soldaten und der noch aktiven Soldaten? Für sie ist es der Ort der Erinnerung an die Menschen, die dem Krieg zum Opfer gefallen sind oder ihr Leben im Einsatz für den Frieden lassen mussten. Ihrer gedenken wir hier heute, zusammen mit den Hinterbliebenen.

Für die Angehörigen, deren Männer, Väter oder Großväter auf See geblieben sind und nicht beerdigt werden konnten, ist diese Gedenkstätte ein ganz besonderer Ort, denn sie haben hier die Möglichkeit zu verweilen und stille Einkehr zu halten.

Seinen zweiten Sinn findet das Ehrenmal darin, den Schrecken des Krieges eindrucksvoll vor Augen zu führen und somit zum Frieden zu mahnen. Das Motto des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge: „Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen" wird hier lebendig.

Wer das Ehrenmal in seiner heutigen Ausgestaltung besucht, muss sich unweigerlich die grausame Realität des Krieges vor Augen führen und wird tief beeindruckt diesen Ort verlassen. Die anonym scheinende Masse von 36.000 gefallenen Ubootfahrern in zwei Weltkriegen sowie die Zahl der in Friedenszeiten auf See gebliebenen Ubootfahrer wird hier wieder aufgelöst in Namen, in tragische Einzelschicksale, die sehr betroffen machen.

Das Ehrenmal ist aber auch ein Ort der Begegnung. Hier trifft sich, z.B. heute, die alte und neue Generation von Ubootfahrern. Hier findet neben dem Gedenken an die Opfer ein reger Erfahrungsaustausch statt. Viel ist über die Zeit der Kriege geschrieben worden, fast 2/3 der gesamten Ubootfahrer des Zweiten Weltkrieges sind auf See geblieben. Insbesondere für die jüngere Generation ist es schwierig, diese Erfahrungen und Erlebnisse nachzuvollziehen. Nur die Überlebenden können diese furchtbaren Geschehnisse deutlich machen und sie tun es nicht nur im Gespräch, sie tun es auch in den Ubootkameradschaften in ganz Deutschland.

Das Ubootehrenmal Möltenort ist als Mahnmal für den Frieden und als Gedenkstätte für alle auf See gebliebenen deutschen Ubootfahrer in die Tradition der heutigen Marine eingebunden. Es ist daher wichtig, das Ehrenmal zu erhalten, zu pflegen und seine Mahnung für den Frieden in die Zukunft weiterzutragen. Die Bundeswehr und mit ihr die Marine und Ubootflottille sind sich dessen bewusst. Aus diesem Grund nehmen Soldaten der Ubootflottille jedes Jahr an der Pflege des Ehrenmals teil und unterstützen die Arbeit der Ubootkameradschaft Kiel.

Seit 1920 wird in Deutschland der Volkstrauertag begangen. Gedenken, dass heißt erinnern. Viele unter uns beklagen an diesem Tag den Verlust eines Menschen, der ihm einst nahe gestanden hat oder von dem er nur durch Erzählungen weiß. Das gemeinsame Gedenken soll uns verbinden und heute Gelegenheit sein, uns der immensen Opfer bewusst zu werden und die persönlichen Schicksale dahinter zu sehen. Auch deshalb sind wir heute mit Soldaten der Ubootflottille bei dieser Gedenkfeier vertreten.

Trauer ist aber nicht rein passiv, nicht resignativ. Wir müssen sie begreifen als Anregung zum eigenen Handeln. - Handeln im Sinne derer, um die wir heute trauern. Deshalb ist der Volkstrauertag auch ein Tag der Mahnung: Wir sind aufgerufen, in alltäglicher Geschäftigkeit innezuhalten, um der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Wir erinnern uns des millionenfachen Todes an den Fronten und in der Heimat. Erinnerung ist eine moralische Verpflichtung gegenüber den Toten der Vergangenheit, aber auch gegenüber den zukünftigen Generationen. Denn aus dem Blick zurück wächst die Aufforderung, alles zu tun, damit sich derartiges nicht wiederholen kann.

Neben dem Gedenken an die Toten ist die heutige Feier damit auch ein Zeichen für den Wunsch, weiterhin in Frieden und Freiheit zu leben. Dieser Friede wird uns nicht geschenkt. Gerade die letzten Wochen, die terroristischen Anschläge in den USA und der Kampf gegen den internationalen Terrorismus haben dies deutlich werden lassen. Das friedliche Zusammenleben der Völker ist leider, trotz der Erfahrungen der Weltkriege, nicht die Regel. Die Anzahl der weit über 150 Kriege und kriegerischen Konflikte seit 1945 zeigt dies sehr deutlich.

Friede auf der Welt ist keine Selbstverständlichkeit, er muss jeden Tag aufs Neue durch unser persönliches Handeln gewonnen und gesichert werden. Menschenwürdiges Leben ist nur in Frieden und Freiheit möglich. Diesen Frieden zu gewährleisten, ist unsere Aufgabe heute, morgen und übermorgen. Dazu bedarf es auch militärischer Mittel.

Haben in den vergangenen 6 Jahren Einheiten der Marine Einsätze zur Unterstützung friedenserhaltender Maßnahmen auf dem Balkan absolviert und vereinzelt auch deutsche Ubootfahrer in den einsatzführenden NATO-Hauptquartieren an den Operationen in Bosnien und im Kosovo teilgenommen, so sind seit gestern umfassendere Anforderungen vorstellbar. Dabei wird sicher nicht in erster Linie an den Einsatz von Ubooten gedacht. Doch im Rahmen eines maritimen Beitrags zur Unterstützung militärischer Maßnahmen gegen den internationalen Terrorismus stehen auch Ubootfahrer und Einheiten der Ubootflottille bereit, Ihren Auftrag dort zu erfüllen, wo sie von der politischen Führung gebraucht werden.

Damit schließt sich der Kreis aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Lassen Sie uns nun der auf See gebliebenen deutschen Ubootfahrer aus mehr als 9 Jahrzehnten gedenken.

Weber
Kapitän zur See

Drucken E-Mail

Stiftung U-Boot-Ehrenmal
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen