Panorama 1

Erhaltung in der Kriegs- und Nachkriegszeit - Die Lage bis 1950...

Wer von den Teilnehmern der Einweihungsfeier hätte gedacht, dass Deutschland ein gutes Jahr später wieder im Kriege stehen würde? Dazu in einem Kriege, der Deutschland Opfer abverlangen würde, die jene des 1. Weltkrieges weit übertrafen.

Von diesen Opfern ist auch die 1935 neuerstandene Ubootwaffe nicht verschont geblieben: 739 Uboote gingen verloren, 30 003 Angehörige der Ubootwaffe fanden den Tod. Ihrer zu gedenken, wurde wiederum zum Anliegen der Überlebenden.

Als der Krieg ausbrach, wurde es still um das U-Boot-Ehrenmal Möltenort. Das beweisen auch die Akten. Sie enthalten keine Zeile über die Jahre des Krieges. Das schloss nicht aus, dass passierende Uboote dem Ehrenmal, wie im Frieden, durch Flaggendippen ihre Ehrenbezeigung erwiesen. Heikendorfer Bürger erinnern sich, dass ein Wärter angestellt war, der sich bis zum Kriegsende um das Mal gekümmert hat.

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1945: Spuren des Krieges - von englischen Truppen an das UEM verbracht: Deutsche 15 cm Haubitzen

Den ersten Bericht über den Zustand des Ehrenmals verdanken wir dem Kreisverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge vom 1. August 1946. "Aus weiterer Entfernung und von der Seeseite gesehen, ist der äußere Gesamteindruck des U-Boot-Ehrenmals gut und fast unverändert ... ... Im Halbkreis hinter dem großen, den Adler tragenden Pfeiler, befindet sich ein kleiner Bombentrichter. Der Pfeiler selbst ist an seiner Rückwand durch Bombensplitter leicht beschädigt, ebenso die Dachkante der - von See aus gesehen - rechten Gedenkhalle. Beim Betreten des inneren Ehrenmals zeigen sich kleine Bombenschäden, leider aber auch kaum glaubliche, frevelhafte Beschädigungen sowie eine beschämende Verschmutzung. In der ersten Ehrenhalle sind von der Marmorplastik ... die drei Köpfe gewaltsam abgeschlagen. Bis vor einigen Wochen lagen die abgeschlagenen Köpfe noch beschädigt am Boden, jetzt fehlen sie gänzlich. Der Boden liegt voller Schmutz und Unrat."

Die vier Säulen der Ehrenhalle und die Sandsteinwand in der Mitte des Umgangs seien durch Splitter leicht beschädigt. Dagegen seien die 12 Flottillensteine gut erhalten. In der südlichen Ehrenhalle habe der Druck oder Sog einer Luftmine die Eingangstür beschädigt. Die vier Goldenen Bücher befänden sich nicht mehr in der Nische. Deren unteres Schloss habe man aufzubrechen versucht. Auch der Boden dieser Halle sei arg verschmutzt. Mit den Worten: "Das schöne Ehrenmal ist ohne Aufsicht und Pflege",' endet der Bericht.

Man fragt sich spontan, warum die Gemeinde Heikendorf, die doch in der Vergangenheit so viel für das Ehrenmal getan hatte, untätig geblieben war. Die Antwort ergibt sich aus der damaligen Lage. Heikendorf war im Kriege zu 75 Prozent zerstört worden. In noch vorhandenen Wehrmachtsunterkünften fristeten 1500 Heimatvertriebene, für die es zu sorgen galt, ein kümmerliches Dasein. Unter diesen Umständen - ganz zu schweigen von der Hoffnungslosigkeit, die die Menschen überall belastete - galt es, sich zunächst den vordringlicheren Aufgaben zuzuwenden. Sie waren schwer genug.

Es kam hinzu, dass das Schicksal des Ehrenmals ungewiss war. Würden die Besatzungsmächte Gedenkstätten dieser Art überhaupt zulassen?

Eine Vorentscheidung in dieser Frage fiel im Juli 1946, als der Beauftragte für Schleswig-Holstein, Air Vice Marshal H.V. Champion de Crepigny, bekannt gab, dass das Ehrenmal in Laboe nicht vernichtet werde.

Zu Beginn des folgenden Jahres ließ die Militärregierung - mit Schreiben vom 24. Januar 1947 - den Heikendorfer Bürgermeister wissen, dass das U-Boot-Ehrenmal Möltenort erhalten bleibe. Es sei lediglich das Hakenkreuz am Pfeiler zu entfernen.

Der vom Kreisverband geschilderte Zustand des Ehrenmals ist am 16. April 1947 durch einen Reisebericht eines Mitarbeiters des Volksbundes bestätigt worden. Dieser veranlasste, dass beide Türen, deren Schlösser er zerstört vorfand, und die Öffnungen zwischen den Pfeilern der Ehrenhallen zugemauert wurden. Besonders bemerkenswert ist aber seine Feststellung, dass die Wand der zerstörten Marmorplastik "für eine Ehrung der Uboot-Gefallenen des letzten Krieges Verwendung finden könne".

Zu Beginn des Jahres 1949 schaltete sich der in den vorstehenden Kapiteln so oft erwähnte Chef-Architekt des Volksbundes, Robert Tischler, wieder in das Möltenorter Geschehen ein, indem er kurz und bündig die Firma Hans Stoltenberg, Kiel-Mönkeberg, beauftragte, erste Sicherungsmaßnahmen am Ehrenmal vorzunehmen.

Sein tatkräftiges Eingreifen trieb die Erhaltung und Wiederherstellung des Mals kräftig voran, führte jedoch auch bald zu einer heftigen Auseinandersetzung mit der Gemeinde Heikendorf.

Da ihm das Ehrenmal besonders am Herzen lag - er hatte es ja geschaffen war er wegen der Verwilderungen und Verwüstungen als Folge "der Plünderungen der Zivilbevölkerung aus der Umgebung von Möltenort" in höchstem Maße aufgebracht und hatte dies in einem Schreiben an die Bundesgeschäftsstelle des Volksbundes zum Ausdruck gebracht.

Gegen diesen Vorwurf wehrte sich natürlich die Gemeinde Heikendorf, die - wie schon dargestellt - mit großen Problemen belastet war und die zudem glaubte, dass die Plünderungen und die Verschmutzung von ortsfremden Leuten verursacht worden seien. Im übrigen ist es müßig auf diesen Streit näher einzugehen, denn seine Ursache ist im Grunde auf die Ausnahmesituation, die der total verlorene Krieg herbeigeführt hatte, zurückzuführen. Die Jahre zwischen 1949 und 1950 sind durch einen regen Schriftverkehr zwischen dem Volksbund und anderen, mit dem Ehrenmal befassten Stellen, gekennzeichnet. Dieser beweist nachdrücklich, dass man gewillt war, ein dunkles Kapitel des Ehrenmals durch Taten vergessen zu machen, und darum ging es.

Schon im Mai 1949 hatte Tischler für die Sicherungsmaßnahmen 3.500 DM bereitstellen lassen und gleichzeitig weitere Mittel beantragt. Damit wurden die vordringlichen Arbeiten, wie das Ausbessern des Mauerwerks, die Reinigung des Kanalisationsschachtes, die Reparatur des Adlers und das Ausbessern des schadhaften Pflasters im Umgang, vorgenommen.

An Stelle des Hakenkreuzes an der Säule sah er ein Uboot-Kriegsabzeichen vor, jenes Symbol, das schon den Pfeiler des ersten Ehrenmals geziert hatte.

Große Sorge machte damals der Gemeinde die Uferböschung, die an mehreren Stellen unterspült war. In einer Besprechung mit den zuständigen Behörden, am 14. September 1950, kam man übereinstimmend zu der Auffassung, dass die gesamte Uferschutzanlage zu erneuern sei. Dafür wurden 300 000 DM veranschlagt. Die Uferbefestigungsarbeiten sind 1952 ausgeführt worden. Dem Bemühen des Bürgermeisters der Gemeinde Heikendorf ist es zu verdanken, das 1964 noch eine Fußsicherung des Ufers durch Aufschüttung von etwa 5000 Tonnen Findlingen erfolgte.

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